Schöne Post

An manchen Tagen macht der Gang zum Briefkasten einfach keinen Spaß. Rechnungen, Werbung und anderes wiederliches Zeugs. Heute jedoch nicht. Zuerstmal gabs eine Postkarte vom Audiotelegramm. Das ist einer der vielen Podcasts die ich aboniert habe und regelmäßig höre. Vor einiger Zeit wurde dort ein kleines Gewinnspiel durchgeführt, bei dem ich nun diese Postkarte gewonnen habe. An dieser Stelle also einen netten Gruß an David Sasse vom Audiotelegramm. Die Karte macht sich auf jeden Fall nett zwischen den Urlaubspostkarten der Verwandtschaft. Irgendwann muss ich mir mal überlegen was ich tue, wenn der Kühlschrank zugepappt ist.

Aber weiter mit der Post. Ein Brief von der Stadt. Ohoh, das bedeutet normalerweise nichts gutes. Aber nicht so heute. Eine Rückzahlung. Na, das lass ich mir gefallen. Und dann noch zwei dicke Umschläge mit CD´s für meine Frau.


Das macht auf jeden Fall Lust auf mehr. Mal schauen was morgen so kommt.

Zurück ins normale Leben

Schluß, Aus, das wars. Die WM ist vorbei und der eine oder andere wird wahrscheinlich heute Abend panisch durch die Kanäle zappen und feststellen müssen, daß gestern tatsächlich das letzte WM-Spiel
stattgefunden hat. Wenn man den Nachrichten glauben darf, sind im letzten Monat sogar noch andere Dinge passiert als „nur“ Fußball. Franz Beckenbauer hat seine Heidi geheiratet, Günther Jauch seine Thea. Heidi Klum ist wieder schwanger, Franzi van Almick ebenso. Gestorben sind Drafi „Marmor, Stein und Eisen bricht“ Deutscher und, wie heute bekanntgegeben wurde, Rudi Carell.

Der Hammer Summer war übrigens ein Erfolg. Zwar haben viele mit dem Beginn des Deutschlandspieles die Veranstaltung verlassen, aber der Marktplatz soll dennoch gut gefüllt gewesen sein. Ende gut, alles gut.

Jetzt wo Italien Weltmeister ist, werde ich mal die Speisekarten der verschiedenen Pizzabäcker in meiner Umgebung studieren. Als Griechenland vor zwei Jahren die EM gewonnen hat, gabs ja überall leckere und vor allem günstige Herakles-Teller. Somit bin ich sehr froh, daß Frankreich nicht Weltmeister geworden ist. Eine leckere WM-Pizza ist mir 1000mal lieber als WM-Champion-Froschschenkel.

Wir

Wir wollten Weltmeister werden. Sind wir aber nicht. Stattdessen sind wir Weltmeister der Herzen. Ist ja auch gar nicht schlimm, denn schließlich sind wir ja auch schon Papst. Und Deutschland sind wir sowieso. Dieses Wir-Gefühl mag ja schön und gut sein, aber es verwirrt mich auch ziemlich. Als ich mit meinem Vater zusammen ein Deutschlandspiel im Fernsehen sah, murmelte er „Jetzt müssen wir aber noch ein Tor schießen, sonst wars das“. Ich stutzte. Warum wir? Die Jungs auf dem Platz sind fürs Toreschießen zuständig. Nicht mein Vater und erst recht nicht ich. Ich hab ja nicht mal ein Trikot.

Früher in der Schule war ich immer der letzte auf der Bank, wenn die Teams für irgendwelche Fußball- oder Völkerballspielchen zusammengestellt wurden. Ich hatte auch nicht den blassesten Dunst, was an Fußball so wahnsinnig toll ist. Aber das ist nun Vergangenheit. Heute gehöre ich zu dem großen Wir-Kollektiv, das Weltmeister werden wollte und sowieso immer wusste, daß Klinsi der Beste ist.

Wenn ichs mir so recht überlege, will ich gar kein Wir sein. Wenn da mal ein Tor fällt, muss man nämlich sofort hochspringen und die nächstbeste Person (die auch ein Wir ist) in den Arm nehmen und abknutschen. Sowas kann auch leicht ins Auge gehen. Davon abgesehen bin ich mal gespannt wieviel dieses Wir noch zählt, wenn ich meine nächste große Strom-Gas-Wasser-Abrechnung bekomme.

Hammer Summer

An dem Tag an dem Deutschland gegen Italien verlor, haben die Veranstalter des diesjährigen „Hammer Summer“ wahrscheinlich bittere Tränen vergossen. Was der „Hammer Summer“ ist? Nun, meine Heimatstadt Hamm organisiert jedes Jahr in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken ein Konzert in der Innenstadt. Drei Grupen oder Sänger wechseln sich hierbei den Abend über ab. Dieses Jahr sind es Cutting Crew (I just died in your arms tonight), Alexander Klaws (Deutschland sucht den Superstar) und Apotygma Berzerk. Letztere Gruppe sagt mir leider im Augenblick so gar nichts. Achja, EIntritt ist frei.

Bei all den Planungen um den Termin für dieses Konzert gingen die Planer, wie der Rest von Deutschland, davon aus, daß die deutsche Nationalelf wahrscheinlich schon recht früh aus dem Rennen wäre. Also keine Gefahr. Ab dem Viertelfinale ging man davon aus, daß wir Weltmeister würden. Also auch keine Gefahr für den „Hammer Summer“. Nun ist jedoch das Horrorszenario eingetreten. Deutschland spielt am Tage des Hammer Großereignisses um Platz 3 und wenn die Straßen heute Abend ähnlich leer sind wie bei den restlichen Deutschlandspielen, so ahne ich schreckliches. Naja, ich werds spätestens Montag in der Zeitung lesen. Heute Abend hab ich keine Zeit um da hinzugehen. Deutschland spielt…

Schatz, zieh Dir Schuhe an. Wir gehen spazieren.

So weit ist es jetzt also gekommen. Ich gehe mit meiner Frau spazieren. Naja, irgendwann muss ich mich halt mal damit abfinden, daß ich eindeutig die 30 hinter mir gelassen habe. Gottlob wird die mitgenommene Wasserflasche aber noch im Rucksack verstaut und nicht etwa im Transportkörbchen des Rollators. Also ab ins Auto und auf in den Maxipark. Bei strahlenden Sonnenschein schlendern wir also die Wege entlang und gönnen uns später sogar noch einen Flutschfinger am Kiosk. Dann jedoch nimmt die Idylle eine jähes Ende. Kurz vorher war mir schon so, als ob ein hinter einem Busch verschanztes Miniorchester das „Der Weiße Hai“-Thema angespielt hätte.

Es waren ein Junge und ein Mädchen, beide vielleicht so um die 10, die ein neues tolles Wort gelernt hatten, welches sie auch gleich der restlichen Umwelt mitteilen wollten. Der erste Teil des Wortes war ein obszöner Ausdruck für das männliche Glied, der zweite Teil hieß abwechselnd „Lutscher“ oder „Lecker“. Sich gegenseitig vors Knie tretend hopsten beide so durch den Park, gefolgt von einer etwas debil dreinschauenden Aufsichtsperson, die das ganze scheinbar noch recht komisch fand.

Ich begann mich zu fragen, ob eine Abtreibung in diesem Fall noch erfolgreich wäre. An der nächsten Weggabelung schlug das Trio den linken Pfad ein, meine Frau und ich wählten den anderen Weg. Leider sind die Wege im Maxipark allesamt so verschnörkelt und verwinkelt, daß schon 5 Minuten später sich wieder die Wege kreuzten.

„P_MM_LL_CK_R, P_MM_LL_TSCH_R“, hieß es wieder.

Wir setzten uns auf eine Bank und die drei wackelten an uns vorbei, wobei sich die Kinder noch immer gegenseitig vor die Beine traten. Ich musste an einen Arbeitskollegen denken, der mal den Berufsweg des Lehrers einschlagen wollte, nun aber doch seinen vergleichsweise ruhigen Job in unserem Callcenter schätzt. Ich kann ihn nun voll und ganz verstehen.